RockTimes review by Steve Braun (June 21, 2012)

Was soll man tun, wenn man als kreativer Kopf in einer progressiven Band, mit einem übermächtigen Leader ausgestattet, chronisch unterfordert ist? Völlig klar, man gründet ein ambitioniertes Sideproject! Die Rede ist natürlich (in chronologischer Folge) von Hasse Fröberg, den Flower Kings und Roine Stolt! Seit dem (tollen) 2007er Album The Sum Of No Evil lagen die Blumenkönige erstmal auf Eis, wohl hauptsächlich weil Stolt sein anderes 'Baby', Transatlantic, an die Brust legen wollte. Sänger und Gitarrist Hasse Fröberg nutzte die freie Zeit, scharte ein paar Freunde zu einer Musical Companion zusammen und macht deutlich, was ihm bei den Flower Kings zu fehlen scheint: 'Powerplay' - sprich: ROCK.
Nach der Debütscheibe "Future Past", vor zwei Jahren mit sehr viel Wohlwollen in der Szene aufgenommen, legt Fröberg nun den Zweitling vor - wenige Wochen bevor die Flower Kings mit "Banks Of Eden" ihre Pause beenden.
"Powerplay" - selten war ein Albumtitel treffender, denn hier rockt es... und zwar kräftigst. Dabei geht Fröberg sehr geschickt vor, mischt 'Proggiges' mit 'Hardrockigem', kurze mit langen Stücken. Die epischen Longtracks "My River To Cross" und "The Final Hour" werden von "The World Keeps Turning" aber sowas von 'zerzaust' - so ein Song wäre tatsächlich bei den Flower Kings nicht zu verwerten gewesen.
Der Zündstoff für "Powerplay" ist die überwiegend harte 'Gitarrenarbeit', gerne und oft in Twin-Parts mündend. Fröbergs Gesang klingt sehr viel rauer als bei den FloKis, kehliger, manchmal auch merkwürdig gepresst - in jedem Fall gewöhnungsbedürftig. Was nicht auf die Keyboardpassagen zutrifft: Kjell Haraldsson spielt nicht einfach - er zaubert! Fette Hammond-Klänge geben den Songs fast durchweg eine enorme Dichte. Virtuose Moog-artige Soli sind jedes Mal deren Krönung - überhaupt hat sich Haraldsson für die Keyboard-Sounds ein feines Programming einfallen lassen. Insgesamt ist im Musikerkreis keine einzige Schwachstelle auszumachen.
Während man den Longtracks "My River To Cross", "The Final Hour" und "The Chosen Ones" durchaus Hasse Fröbergs Herkunft anmerkt - sprich: diese von den FloKis inspiriert sind - fallen andere völlig aus dem Prog-Raster. Da sind vor allem die fröhlichen Abrocker "The World Keeps Turning" und "Venice California", aber auch das teilweise knüppelharte "Is It Ever Gonna Happen" zu nennen. Hier beschreitet Fröberg gelegentlich äußerst schwermetallische Pfade, immer wieder unterbrochen von proggigen Ausflügen - ein echter Anspieltipp! Auch die sparsam instrumentierten Balladen "Waves" und "White Butterfly" zählen dazu.
Sehr nachdenklich endet "Powerplay" mit dem "Godsong" - alle Texte findet man übrigens im Booklet des schön gestalteten Digipaks, das beim Label des FloKi-Bassers, Jonas Rheingold, aufgelegt wurde. Co-produziert und gemixt hat übrigens ein anderer aus dieser Connection: Keyboarder Tomas Bodin.
Mit "Powerplay" kehrt Hasse Fröberg zu seinen Hardrock-Wurzeln zurück, zu Spellbound und den Highway Stars für die er vor seinen FloKi-Zeiten sang. Musikalisch tut er dies sehr überzeugend. Seine Musical Companion ist hochkarätig besetzt - sein Songwriting exzellent. Abzüge gibt es lediglich für den gewöhnungsbedürftigen Gesang, dem die Wärme etwas abgeht. Trotzdem: eine richtig erfreuliche Platte!

Leave a comment

    Add comment